Gehörgangsoperationen

Gehörgangsoperationen sind grundsätzlich risikoarme und wenig belastende Eingriffe. Nur in seltenen Fällen ist eine Operation am Gehörgang zwingend erforderlich, meist dient sie dazu, wiederkehrende Probleme mit einem Ohr wie Entzündungen, schwierig zu entfernende Schmalzpfröpfe oder eine Schwerhörigkeit zu verbessern oder zu beheben.

Welche Gründe gibt es, am Gehörgang zu operieren?

Die beiden häufigsten Gründe sind Verengungen des Gehörgangs und sogenannte Gehörgangscholesteatome. Bei Verengungen (Stenosen) muss zwischen angeborenen und erworbenen Formen unterschieden werden. Bei einer angeborenen Stenose oder Atresie (kompletter Verschluss) des Gehörgangs sollte eine Therapie an einem hierfür spezialisierten Zentrum erfolgen. Erworbene Verengungen des Gehörgangs sind häufig und machen oft nur geringe Probleme. Sie können aber auch dazu führen, dass es immer wieder zu Entzündungen des Gehörgangs mit Ohrenschmerzen und eitriger Sekretion kommt. In manchen Fällen verstopfen die Ohren auch nur sehr oft mit Ohrenschmalz. Bei ausgeprägten Verengungen kann der Schall nicht mehr normal ans Trommelfell gelangen, sodass es zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit kommt. In all diesen Fällen kann eine Operation zur Erweiterung des Gehörgangs sinnvoll sein. Eine häufige erworbene Verengung des Gehörgangs kommt durch Gehörgangsexostosen zu Stande. Diese kugeligen Knochenneubildungen enstehen durch die Einwirkung von kalten Wasser v.a. bei Wassersportlern.

Beim Gehörgangscholesteatom kommt es durch eine Verletzung und/oder Entzündung der Gehörgangshaut zu einem Absterben des Gehörgangsknochens. Gehörgangscholesteatome können leichte Schmerzen verursachen und dazu führen, dass der Gehörgang rasch mit Ohrschmalz und weißliche Schuppenmatierial verstopft, machen aber anfangs meist nur wenig Beschwerden. Dennoch ist hier eine Operation in aller Regel empfehlenswert, da eine Abheilung von selbst die Ausnahme ist. Meist werden die betroffenen Stellen langsam immer größer und die operative Sanierung damit immer schwieriger. Vor der Operation eines Gehörgangscholesteatoms, aber auch wenn Sie sich zunächst gegen eine Operation entscheiden, sollte eine Gewebeprobe entnommen und feingeweblich untersucht werden, da (sehr seltene) Krebserkrankungen der Gehörgangshaut ähnlich aussehen können.

Auch Hauttumore können zu einer Verengung des Gehörgangs führen. Diese können gut- oder bösartig sein. Kleinere Hauttumore, die sehr wahrscheinlich gutartig sind, können beobachtet werden. Wenn ein Hauttumor so aussieht, als ob er bösartig sein könnte oder wenn er wächst, sollte kurzfristig zumindest eine Probe entnommen werden.

Wie laufen Operationen am Gehörgang ab?

Je nach Ausdehung der Operation führen wir Gehörgangsoperationen ambulant in lokaler Betäubung in unseren Praxisräumen bzw. ambulant oder stationär in Vollnarkose im Klinikum Landsberg durch. Die Schnitte werden je nach Lage und Ausdehnung des jeweiligen Problems in den Gehörgang oder hinter das Ohr gelegt. In beiden Fällen sind die Narben in Regel kaum sichtbar. Nach dem Einsetzen von Wundsperrern wird die weitere Operation unter Vergrößerung mit einem Operationsmikroskop durchgeführt. Ist der Gehörgang durch Tumore oder entzündliches Weichgewebe verengt, werden diese Befunde abgetragen. Wenn der Gehörgang im knöchernen Bereich oder durch Exostosen eng ist, wird die Gehörgangshaut vorsichtig abgelöst und der überschüssige Knochen mit dem Bohrer abgetragen. Bei Gehörgangscholesteatomen muss der tote Knochen vollständig mit dem Bohrer abgetragen werden. In vielen Fällen reicht die vorhandene Gehörgangshaut nicht aus, um den erweiterten Gehörgang wieder vollständig mit Haut zu bedecken. In diesen Fällen wird ein Stück Haut von der Rückseite der Ohrmuschel abgeschabt (so genanntes Spalthauttransplantat) und auf den sonst frei liegenden Knochen aufgelegt. Diese Schürfwunden können ziemlich schmerzhaft sein und brauchen einige Wochen, bis sie vollständig abheilen. Im Gehörgang kann die Haut nicht angenäht werden, sondern muss mit Silikonfolien abgedeckt und durch eine antibiotika-getränkte Tamponade für drei Wochen leicht angedrück werden. Der Gehörgangseingang wird durch einen Salbenstreifen vor Feuchtigkeit oder dem Eintreten von Keimen geschützt.

Worauf müssen Sie nach einer Gehörgangsoperation achten?

Das operierte Ohr bleibt 3 Wochen austamponiert, sodass Sie auf diesem Ohr kaum etwas hören. In dieser Zeit muss der Salbenstreifen im Gehörgangseingang alle paar Tage gewechselt werden. Die Fäden werden nach 7 - 10 Tagen entfernt. Bereits nach einer Woche können Sie sich weitgehend normal körperlich betätigen. Ihr Ohr sollte jedoch nicht nass werden und Sie sollten nicht stärker schwitzen. Zum Waschen der Haare können Sie ein Trinkgefäß über das Ohr halten, um es vor Nässe zu schützen. Sollten nach einigen Tagen die Schmerzen stärker werden oder Eiter aus dem Ohr laufen, kann eine Infektion die Ursache sein. In diesem Fall kommen Sie bitte umgehend zu uns, damit wir die Tamponade entfernen und die Infektion behandeln können. Nach der Entfernung der Tamponade nach drei Wochen muss der Gehörgang häufig noch eine Zeit lang immer wieder gereinigt und mit Topfen oder Salben behandelt werden. Bitte halten Sie Ihr Ohr noch trocken, bis wir Ihnen grünes Licht geben zum normal Duschen, Baden oder Schwitzen.

Bitte informieren Sie uns, wenn Sie nach der Operation ein pfeiffendes Ohrgräusch haben sollten, da dies ein Zeichen für einen Innenohrschaden sein kann. Das Bohren am Gehörgang stellt eine gewisse Lärmbelastung für das Ohr dar, sodass in seltenen Fällen das Innenohr ein Lärmtrauma erleiden kann. Wenn man dann rechtzeitig mit Cortison behandelt, erholt sich das Ohr in den meisten Fällen wieder vollständig. Schmatzende oder plätschernde Ohrgeräusche sowie ein Knacken beim Schlucken werden durch die Tamponade hervorgerufen und sind normal.

© PD Dr. Bernhard Olzowy, April 2018