Nasennebenhöhlenoperation

Der Mensch besitzt ein ganzes System von Nasennebenhöhlen, das individuell sehr große Unterschiede aufweisen kann. Den meisten Patienten ist bewusst, dass wir Kieferhöhlen (unterhalb der Augen, hienter den Wangen und oberhalb der Oberkiefer-Zahnreihe gelegen) und Stirnhöhlen (oberhalb der Augen gelegen) haben. Des Weiteren gibt es aber noch zwischen den Augen ein bienenwabenartiges System kleiner, normalerweise luftgefüllter Zellen und Spalträume, das so genannte Siebbein, sowie die Keilbeinhöhlen, die ziemlich genau in der Mitte des Schädels hinter der Nase und zwischen den Ohren liegen. Alle Nebenhöhlen können im Rahmen von Operationen durch die Nase mit Endoskopen und einer Vielzahl von unterschiedlich langen und unterschiedlich gebogenen Zängelchen, Scherchen, Stanzen, Saugern und Küretten erreicht werden. Bei Nasennebenhöhlenoperationen werden aber immer nur die Nebenhöhlen auch tatsächlich operiert, die in den jeweiligen Krankheitsprozess mit einbezogen sind.

Warum und wie wird an den Nasennebenhöhlen operiert?

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Erkrankungen der Nasennebenhöhlen, die jeweils auf sie zugeschnitten operiert werden sollten.

Wenn Sie normalerweise mit der Nase keine Probleme haben, aber nach jedem Schnupfen hartnäckig über mehrere Wochen unter akuten und mehrfach pro Jahr wiederkehrenden Nebenhöhlenentzündungen leiden, führt vermutlich eine Engstelle am gemeinsamen Ausflusstrakt aus Siebbein, Stirn- und Kieferhöhlen bei Schupfen zu einem Sekretstau, in dem sich dann Bakterien vermehren können. In diesem Fall kann die entsprechende Engstelle meist in Schichtbildaufnahmen (CT, Computertomographie) identifiziert und dann in einer kleinen Operation gezielt behoben werden. Die Nebenhöhlen werden in Regel dabei nicht weit eröffnet und keine Schleimhaut entfernt. Diese Eingriffe sind oft sehr dankbar, da sie sehr schnell abheilen und meist die Beschwerden danach komplett behoben sind.

Wenn sie unter ständigem Sekretfluss in den Rachen und Druckgefühl im Gesicht leiden sowie eventuell zusätzlich nicht gut riechen können und im CT weitgehend alle Nebenhöhlen mehr oder weniger betroffen sind so leiden Sie vermutlich an einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung (chronische Rhinosinusitis) mit oder ohne Nasenpolypen. In diesem Fall werden Sie - mit oder ohne Operation - langfristig zumindest immer wieder einmal ein cortisonhaltiges Nasenspray verwenden und eine Nasendusche machen müssen. Daher sollte dies vor einer Operation in jedem Fall zumindest für einige Wochen versucht werden, da manchmal so eine Operation vermieden werden kann. Wenn sich die Beschwerden nicht ausreichen bessern ist aber eine Operation meist sinnvoll. Bei der Operation werden dann alle betroffenen Nebenhöhlen zur Nase hin eröffnet, ausgespült und eventuelle Nasenpolypen abgetragen. Wir verwenden hierfür einen Shaver (Sauger, in dem ein Messer sich dreht), der die weichen Polypen absaugt, ohne die darunter liegende Knochenhaut zu verletzen, sodass die ausgedehnten Wundflächen in der Nase nachher schnell abheilen. Das Konzept der Operation besteht darin, einmal das gestaute Sekret und die entzündlichen oder polypenartigen Schleimhautverdickungen weitgehend zu entfernen, um dann nach der Operation diesen entzündungsarmen Zustand durch weitere Nasenspülungen und durch cortisonhaltiges Nasenspray zu erhalten. Dieses kann nach der operativen Eröffung der Nebenhöhlen besser in die Tiefe des Nebenhöhlensystems eindringen und wirkt daher besser.

Wenn eine einzelne Nasennebenhöhle Beschwerden bereitet, kann dies unterschiedliche Ursachen haben. Wenn es sich um eine Kieferhöhle (chronische Sinusitis maxillaris) handelt, muss zunächst vom Zahnarzt nachgesehen werden, ob möglicherweise eine Zahnwurzelentzündung die Ursache ist und diese ggf. behandelt werden. Andere Ursachen für Probleme mit einer einzelnen Nasennebenhöhle kann eine anhaltende bakterielle Entzündung, ein einfach mechanisch behinderter Sekretabfluss z.B. nach Schädelbrüchen oder Operationen (so genannte Mukozele) oder aber ein Pilzball (fungus ball) sein. In allen diesen Fällen muss die betreffene Nasennebenhöhle so eröffnet werden, dass das Sekret wieder ablaufen kann, bei Pilzbällen muss sehr sorgfältig alles Pilzmaterial entfernt werden, da sie sonst wieder auftreten können.

Eine glücklicherweise seltene Ursache für Probleme mit einer einzelnen Nasennebenhöhle sind Tumorerkrankungen, die gutartig (am häufigsten das invertierte Papillom), aber auch bösartig (Karzinome oder Melanome) sein können. Daher sollten alle einseitigen Prozesse in den Nasennebenhöhlen eher zügig operiert werden, um keinen Tumor zu übersehen. Tumore in der Nase müssen radikal komplett entfernt werden.

Welche Probleme können auftreten?

Nasennebenhöhlenoperation sind mit den modernen Techniken sehr risikoarme Operationen geworden. Dennoch arbeitet man in direkter Nachbarschaft zu den Augen und zum Gehirn. Während Augenverletzungen mit bleibenden Sehstörungen zwar im Aufklärungsgespräch erwähnt werden müssen, aber in der Praxis keine Rolle spielen, kommen Verletzungen der Schädelbasis tatsächlich vor. Dann fließt Hirnwasser ab, was zu starken Kopfschmerzen führt. Bitte informieren Sie uns, falls Sie nach der Operation starke Kopfschmerzen haben, die sich durch leichte Schmerzmittel nicht bessern. Gleiches gilt, wenn sie den Eindruck haben, dass Ihnen klare Flüssigkeit aus der Nase läuft. In diesem Fall muss gegebenenfalls eine Verletzung der Schädelbasis ausgeschlossen werden. Außerdem können auch stärkere Nachblutungen aus den hinteren Nasenabschnitten auftreten. Auf Grund dieser Risiken führen wir die meisten Nebenhöhlenoperationen stationär mit 2-3 Nächten im Krankenhaus durch. Umschriebene Operationen ohne stärkere Blutungen während der Operation können aber auch ambulant durchgeführt werden.

Womit muss ich nach der Operation rechnen?

Die Operation ist in der Regel nur wenig schmerzhaft. Ein Druckgefühl über Stirn und Wangen sowie zwischen den Augen und ein leichter Wundschmerz sind normal. was sich in der Regel mit leichten Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen gut kontrollieren lässt. Für einige Tage nach der Operation kann Ihre Nase reichlich Schleim produzieren, der auch etwas blutig sein kann. Die Wundflächen am Zugang zu den Nasennebenhöhlen werden mit einem schwammartigen Material abgedeckt, das sich mit der Zeit zu einem Gel umwandelt. Dies beugt Verwachsungen vor und lässt die Wunden ohne Bildung großer Krusten abheilen. Hinter dem Material kann sich aber Sekret stauen und Kopfschmerzen verursachen. Wenn diese zu stark werden, muss das Material vorzeitig abgesaugt werden, sonst erst nach 7-10 Tagen. Dann sind die Wundflächen bereits weitgehend abgeheilt und wir müssen später weniger oft absaugen und Krusten entfernen. Diese Nachsorge mit meist 2-3 Terminen pro Woche kann sehr unterschiedlich lange notwendig sein, ist aber in vielen Fällen sehr wichtig. Die Wundflächen nach der Operation können zum Ausgangspunkt neuer chronischer Entzündungen oder einer Neubildung von Polypen werden. In diesen Fällen muss die Entzündung mit intensiver Therapie mit Absaugen, evtl. gezielten Spülungen sowie Cortison und ggf. Antibiotika als Spray, Salben und oder Tabletten unter Kontrolle gebracht werden. In den meisten Fällen gelingt dies auch. Wenn man hier jedoch nachlässig ist, kann die ganze Operation umsonst gewesen sein. Gerade in diesen Fällen, die zu Rezidiven neigen, empfehlen wir auch langfristig ca. alle drei Monate eine Kontrolluntersuchung, um frühe Entzündungsrezidive zu erkennen und medikamentös behandeln zu können. Wenn sie erst wieder zu uns kommen, wenn die Nase wieder komplett voll mit Polypen ist, kann in vielen Fällen nur eine erneute Operation helfen.

Worauf müssen Sie nach der Operation achten?

Gerade bei Nasenoperationen können und müssen Sie selbst zu einem guten Ergebnis beitragen. Leichte Bewegung fördert den Heilungsverlauf. Alledings sollte in den ersten 2 Wochen nach der Operation alles vermeiden werden, was den Blutdruck erhöht oder die Blutgefäße erweitert, bzw. die Blutgerinnung verändert: kein Sport oder andere körperlichen Anstrengungen, nicht schwer heben; keine Sonnenbäder oder Solarien; nicht heiß baden oder duschen; kein starker Kaffee, kein Alkohol, nicht rauchen; Medikamente mit Wirkung auf die Blutgerinnung (z.B. Marcumar, Aspirin oder ähnliches) sollten ggf. nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden. Am Morgen nach der Operation sollten Sie ein Nasenöl und eine Nasensalbe bekommen, bitte fragen Sie gegebenenfalls danach. Sie sollten regelmäßig reichlich davon in die Nase geben, damit sich keine trockenen Krusten bilden. Legen Sie sich dafür auf den Rücken, erst wenn das Öl im Rachen ankommt, war es überall, wo es hin soll! In der Abheilungsphase sollten Sie mindestens zweimal täglich eine Nasendusche machen, um gestautes Sekret und Krusten zu enfernen. Gerade bei Nasenpolypen ist dies auch langfristig zumindest einmal täglich empfehlenswert und kann einem erneuten Auftreten von Polypen wirksam vorbeugen.

© PD Dr. Bernhard Olzowy, März 2018